Archiv für den Monat: Juli 2015

Irgendwo in Wilhelmshaven. Jede Einfahrt bietet glänzende Autos. Das Blech schimmert. Das Auto wie auf dem Präsentierteller. Sauber geleckt. Als ob sie nie einer gefahren hätte, die Karre, nur für diesen einen Zweck gebaut, um vor der Hauseinfahrt in der Sonne zu glänzen. Und immer sind es Geländewagen. Geländewagen so weit das Auge reicht. Grosse dicke Schwanz-Gelände-Kutschen. Schaut her, mein Haus, mein Auto, mein Konto. Mmhh…, denke ich mir und lach in mich hinein, dann gehe ich weiter. Ein kalter Windhauch zerstört mir die schon schlecht sitzende Frisur. Ich lass meine Finger den Rest zerstören.

Drei ältere Damen. Irgendwo in Wilhelmshaven. Ein Dackel. Alle fatal gekleidet. Es schert sie einen Dreck. Sie stehen am Strassenrand. Sie plaudern, sie lachen, sie sagen ja, ja, ach, wo den.

Ich schaue aus dem Fenster und sehe: eine ältere Frau mit zwei Hunden. Das war zu erwarten. Der eine Hund eilt ihr etwas voraus. Ein belgischer Schäferhund. Schwarz. Bildhübsch. An der Kreuzung wartet der Hund brav artig auf sein Frauchen. Sie kommt irgendwann an, mit Sonnenbrille, und gibt, nachdem sie die Kreuzung kurz prüfte, ihr Okay. Daraufhin überqueren beide sicher die Strasse, so, als ob es das normalste der Welt wäre. Artig brav. Nirgendwo ist ein Auto zu sehen. Totenstille. Irgendwo in Wilhelmshaven.

Ungewohnt das Moin von überall zu hören. Als ich es nur sagte, und es von mir nur zu hören war, war es Unique für mich. Ein Teil von mir. Wiedererkennung. Jetzt ist es uninteressant. Nichts besonderes mehr, da jeder so spricht, zur jeder Uhrzeit. Ich versuche es nicht mehr zu sagen. Moin. 

田んぼアート tambo

Rice paddy art is an art form originating in Japan where people plant rice of various types and colors to create a giant pictures in a paddy field. The idea is simple: Every April, the villagers meet and decide what to plant for the year. Prior to planting, farmers sketch out the designs on computers to figure out where and how to plant the rice. For the colors, different strains of rice with specific colors are cultivated to create a giant picture. The result is as expected wonderful!
    

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Srebrenica – 20 years later

 

Srebrenica. 11. Juli 1995. Genozid. Massengräber. Tiefe Wunden. Wie tief die Wunden sind erfuhr der serbische Premier am eigenen Leib. Herr Vucic, legte Blumen nieder, dann wurde er gnadenlos ausgebuht und mit Gegenständen beschmissen, seine Brille musste daran glauben, und so entschied er Srebrenica vorzeitig zu verlassen. Immerhin ein erster Schritt: er war da.

Kein Platz für Serbien also, zu sehr wirkte es wie eine Inszenierung, wie eine Heuchelei. Die Menschen in Bosnien haben gute Gründe ihre Trauer nicht mit den Serben zu teilen. Bis zum heutigen Tage, nach über 20 Jahren, ist eine politische Verantwortung, eine militärische Verantwortung, eine offizielle Anerkennung der Taten ausgeblieben. Für die Opfer schlicht unfassbar. Hilfen, finanzielle Entschädigungen, Reperaturen, wurden nicht angeboten oder ausbezahlt. Man hat das Gefühl Serbien geht nur einen halben Weg voran, drückt sich und nimmt nur zähneknirschend an der Aufarbeitung teil. Noch immer wollen sie in Belgrad das Wort Völkermord nicht hören. Für die Menschen in Bosnien ist solch ein serbischer Unwille in Anbetracht der Monstrosität des Geschehenen zutiefst abscheulich. 

Noch immer laufen Kriegsverbrecher in Serbien unbehelligt herum. Viele waren direkt oder indirekt am Bürgerkrieg beteiligt und sitzen zum Teil im Parlament. Nur wenige sind verfolgt und vor ein internationales Gericht gezerrt worden. Das Land hat aus eigener Kraft kaum was in Bewegung gesetzt, erst unter internationalem Druck kam Fahrt in die Ermittlungen. Miliz Chef “Arkan”, verantwortlich für furchtbare Gräueltaten und mittlerweile in der Hölle, gilt für viele immer noch als Held, als Erretter der serbischen Nation - “Srpski Heroj”, ebenso wie der Schlächter “General” Mladic oder der zutiefst gestörte Radovan Karadzic, beide warten in Den Haag auf ihr Urteil. 

Unterdessen werden in Srebrenica bis heute noch Leichen identifiziert. Bis heute erscheinen Angehörige um ihre Toten zu benennen. Endlich können sie Gewissheit haben, endlich ihre Angehörigen anständig begraben, nach so vielen Jahren, endlich sich verabschieden.

Die Feuerwehr der Welt, die UN, hat gnadenlos versagt. Alles falsch gemacht was man hätte falsch machen können. Dumm sei man gewesen, Fehler habe man begangen, so die späte Einsicht, den während Verbrechen begangen wurden, musste sich die Weltgemeinschaft “abstimmen” – der Preis des Mehrheitsprinzips. Die Schandflecke Srebrenica und Ruanda bleiben. Dunkle rote Flecken, unübersehbar, sie zieren die Karte der Organisation für immer.