Archiv für den Monat: April 2015

Die Beschleunigung prägt unsere Zeit. Statt sich über eine Frage den Kopf zu zerbrechen, gemeinsam zu streiten, zu debattieren, wird der Neugierde nachgegeben und Google befragt. Das Thema wird schnell beendet.

Lapidarium

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Allmählich wurde mir offenbart, dass die Linie die Gut und Böse trennt nicht zwischen Staaten, nicht zwischen Klassen und nicht zwischen Parteien verläuft, sondern quer durch jedes Menschenherz. Man kann das Böse nicht gänzlich aus der Welt verbannen, man kann es nur in jedem Menschen zurückdrängen. Damals erkannte ich den Trug aller Revolutionen der Geschichte. Sie vernichten nur den jeweiligen Träger des Bösen und da sie in der Eile nicht unterscheiden, auch die Träger des Guten. Dadurch vermehren sie das Böse und übernehmen es als Erbe. // Aus dem Buch:  Arkhipelag GULAGAleksandr Solzhenitsyn

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Falkenstein. So würde ich gern mit Nachnamen heissen, wenn ich Deutscher wäre.

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Die Haare wurden geschnitten. Ihre Stimme war diesmal anders. Ich erkannte es. Die Stimme war nicht mehr dieselbe. Es war nicht mehr die Stimme, die zwar hinfällt aber sofort wieder auf den Beinen ist, um vom neuen die Burgmauer zu stürmen, nein, diesmal war etwas an der Stimme anders. Nachfragen jedoch wollte ich nicht, es reichte mir schon das nachdenken darüber.

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Die Musik von Sting bringt mich am besten zur Entspannung. Gut im Leben wenigstens dies herausgefunden zu haben.

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Ich habe gelesen man sollte aufpassen was man so denkt, wenn man alleine ist. Kann schon sein. Vermutlich sollten die aufpassen, den sie sind gemeint, derer Gedankenfluss keinem von prächtig geordneten Grachten gekennzeichneten Wasserkanälen gleicht, sondern viel mehr einem wilden unberechenbaren Strom ähnelt. Wenn jeder Mensch unter ständiger Beobachtung stehen würde, würde er dann nicht logischerweise weniger übel gegen das Gesetz verstossen?

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Nach dem Weltkrieg: wie kann sich die Welt für frei erklären, wenn sie die Vernichtung der Juden zugelassen hat?

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Weshalb gibt es eigentlich immer die gleichen Präsidentschaftskandidaten in den USA. Die Clintons, die Bushs… fast wie in einer Monarchie, das Zepter wird stets weitergereicht. Mein erstes Hörbuch ist zu Ende über die Macht und ihr Netzwerk: Bill Clinton – Mein Leben. 

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Der dritte Kaffee schon. An diesem Tag ist es endlich mal an der Zeit den Desktop aufzuräumen. Überall angefangener Sachen die schlicht nie zu Ende geführt wurden. Überall Symbole. Ein stummes Zeugnis meiner taten. Viele kann ich nicht mehr entziffern. Keine Ahnung wie lange diese Dateien schon auf dem Desktop überdauert haben, viel zu lange jedenfalls. Du willst nicht sofort löschen, da dir eine Stimme zuflüstert, dass du es eventuell irgendwann gebrauchen könntest. Schwach! Wie mit Klamotten!? Nimm dir vor auszumisten und bereits nach wenigen Sekunden meldet sich eine überaus sensible Stimme die besorgt Ängste äußert darüber dies oder jenes nicht wegzuschmeissen, könnte später ja von wichtiger Bedeutung sein. Ich höre gerne mal rein, lasse der Stimme ruhig ihren Chefcharakter, dann wird jedoch eigenständig entscheiden: behalten oder herausschneiden. Wie ein Chirurg.

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Wenn der Baron Gedichte aus dem Flugzeug abwarf, verwandelten sich die Soldaten in Dichter.

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Wahrscheinlich gehört es zum erwachsen werden dazu, wahrscheinlich ist es ein elementarer Teil unseres Lebens, dem ein jeder irgendwann mal gegenübersteht. Die ultimative Reifeprüfung. Der eine Schritt. Erst wenn du das, was dir am wichtigsten ist, am teuersten, aufgibst, deine persönlichsten Träume, deine Erwartungen an denen du festhältst, erst dann,  wenn du zugunsten anderer entscheidest, kommst du zur nächsten Etappe. Ich beobachte, dass dieser Schritt für viele unmöglich ist.

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Ich kennen ihren Namen, ich kenne ihren Namen, er lautet: Maria!

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Der Kaffee ist schon wieder über den Tisch gebrettert. Einfach umgekippt. Das schwarze Gold ergoss sich über Klaviatur und Zettel. Die trübe Lava bannte sich ihren Weg über den gesamten Schreibtisch. Vollgekritzelte Blätter saugten die Brühe sofort beim ersten Kontakt auf. Das leere Blatt sog die dunkele Brühe sofort auf, verschaffte mir Zeit damit ich zum Klo rennen kann  Toilettenpapier zu holen. Ich musste unweigerlich an das Wasser denken, welches mir vor Monaten schonmal die Tastatur versaut hat. Wieder meine Schuld. Ich habe damals mit dieser kaputten Tatstatur so lange weitergearbeitet bis endlich andere Leute mir eine neue besorgt hatten. Für mich war die Welt schon immer heile, egal wie oft der Becher umkippt.

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Jerzy Krawczyk (1921-1969) “Uliczka w Delf”

Benon Liberski (1926-1983) “People and houses” // “Ludzie i domy”

Jerzy Nowosielski (1923-2011) “Dziewczyny na statku”

Barbara Narębska-Dębska // Londyn-Metro