Archiv für den Monat: Dezember 2014

Es war unmittelbar nach der Revolution nachdem der Frieden bereits beschlossen war und Ethan Allen war in London um unserem noch jungen Land mit dem Geschäften beim Koenig zu helfen. Die Engländer höhnten wie schlicht wir wären, wie rüde, wie grobschlächtig und so weiter, überall wo er war. Und dann wurde er eines Tages in ein Stadthaus eingeladen von einem grossen englischen Lord. Das Essen wurde aufgetragen, man hat sich Getränke einverleibt, die Zeit verstrich wie es eben so geht, und Mr. Allen befand er müsse mal austreten. Er war dankbar dafür, dass man ihm das Örtchen wies, erleichtert möchte man sagen. Und beim betreten des Wasserklosetts stellte Mr. Allen fest, dass die einzige Dekoration darin ein Portrait von George Washington war. Ethan Allen erledigte wozu er gekommen war und kehrte in den Salon zurück. Der Lord und die anderen waren enttäuscht, weil er das Portrait von Washington nicht erwähnt hat. Seine Lordschaft konnte nicht länger widerstehen und fragte Mr. Allen ob er das Bildnis nicht bemerkt habe. Er hatte. Nun, was er den von dessen Platzierung halte, ob sie Mr. Allen den angemessen erschiene. Mr. Allen sagte, ja. Sein Gastgeber war erstaunt. Angemessen? George Washingtons Konterfeit in einem Wasserklosett? Ja, sagte Mr. Allen, dort leistet es gute Dienste, die ganze Welt weiss, nichts bringt einen Engländer schneller zum scheissen als der Anblick von George Washington.

Das Rattenfänger Schandmaul: Geständnisse eines patriotischen Europäer, der gegen die Islamisierung des Abendlandes kämpft.

Ich verteidige das Abendland. Ich verteidige unsere westlichen Werte, den ich fühle mich direkt bedroht. Auch persönlich angegriffen. Meine Kinder sind dem Ganzen ausgesetzt. Schon seit Jahrzehnten. Auch Nachbarn sind betroffen. Es geht um die BRD. Unser Zuhause. Und um Europa. Natürlich. Der gemeine Islam versucht halb heimlich die Weltherrschaft an sich zu reißen, getarnt als Friedenstaube. Gegen unseren Willen. Gegen das Gesetz. Ich habe Angst. Verstehe Zeit nicht. Die modernen Umstände, das wechselnde Umfeld, die Gewalt, die gesteuerten Medien, die Kaufhausschliessungen, die Parallelgesellschaft. Den Lauf der Dinge, erkenne ich nicht mehr. Alles nah fremd, weit weg von mir. Was soll ich glauben. Wem soll ich trauen. Was muss ich spielen um Stärke zu spüren. Ich flüchte mich in Phantasien. Starke Männer braucht das Land. Die Kommunikation, sie ist überall, sie erreicht mich, meine Familie, andauernd. Tagesthemen und Gasrechnung, alles macht mir Angst, vergeht so schnell. Die Sicherheit, sie ist längst verschwunden. Die Rente, so sicher wie eine kalifornische Begnadigung. Der Boden unter meinen Füssen ist brüchig, geht es ihnen auch so. Ich bin frustriert, lehne deshalb alles kategorisch ab. Ich brauche einen einfachen geraden Lebensweg, eine Wahrheit ohne Seitenstrassen. Mein Leben begleitet von Zorn, darum soll es euer Leben auch werden. Ich werde es euch schwer machen. Ein liberales Asylrecht! Nie im Leben! Multikulti! Mit Ansage gescheitert. Moscheebau! Nur ein Auffangbecken für Radikale. Kriminelle Ausländer. Raus! Ich habe Angst, den ich vergaß bereits was gestern war, so schlimm ist es. Und jetzt die ganzen Flüchtlinge, hier. Und mehr sollen es werden, ja ich frage, wie viele noch. Es gibt Menschen in der BRD, die haben nichts zu essen, kein Dach über dem Kopf. Für diese Leute werden keine Heime aus dem Boden gestampft. Für die armen Schweine kommt keine Rettung, kein Container, es werden ihnen schlicht noch mehr Hürden auferlegt. Bürokratie! Ich bin für Deutschland. Ich bin für suspekte Meinungsfreiheit. Ich bin für Ordnung. Doch heute sehe ich, dass selbst im eigenen Land, ich mich fremd fühle, schutzlos ausgeliefert. Ich hege Hass auf die Presse! Ferngesteuert. Deutschland braucht wieder radikale Ideen. Wir geben es dem Land. Wie einst, doch es muss richtig gemacht werden, ansonsten verlieren wir wieder, gehen unter. Diese Morgenland Fanatiker werden uns medienwirksam enthaupten, einfach so, von heute auf morgen, wenn wir nichts unternehmen. Sie werden uns grausam büßen lassen, für alles, RTL, Tatort, Schweinefleisch, Maschendrahtzaun, Birgit Schrowange sogar fürs Flatrate ficken. Für das alles, bloß nicht für Auschwitz. Ich will nicht morgen mit ner Burka aufwachen. Will nicht gezwungen werden. Nicht die Wahl haben zwischen Leben oder Tod. Nein! Mein Hilfeschrei soll gehört werden, bundesweit, am besten harte Schlagzeilen und ganz trocken. Und wenn, sie denken wir sind Nazis. Ich bin kein Nazi. Bin halt nur ein bisschen patriotisch und enorm besorgt. Wir hassen den Islam nicht. Ich hasse nur die Islamisierung. Die Würde des Menschen ist eben nicht auf jede Person zu übertragen. Mehr will ich nicht sagen. Nur, unser zukünftiges Deutschland, wie es sich etwa die Bewegung ausmalt, wie ich es mir leicht verständlich ausmale, ist eine Nation, in der alle Deutschmänner frei sind, vom Gesetz geschützt, unter sich, Nachbarlich abgeriegelt vom Rest, innerlich beseelt von der Leichtigkeit der abgelegten Last, frei von Wörtern wie Schuld oder Weltkrieg, KZ oder Hitler, jegliche Bedeutung, sie ist aus den Köpfen erloschen. Neustart. Fertig. So einfach ist das. Darum lassen wir es in Dresden jeden Montag laut krachen. Hoffen, hoffen und nochmals hoffen, dass Sie uns zu Gesicht bekommen. Die gesteuerten Massenmedien. Nicht wie in Köln. Wir sind schon über Zehntausend. Friedlich. Lauf mit uns. Seite an Seite. Deutschmänner mit gleichem Schicksal an der Backe. Wir wollen, anders als die NPD, eine richtige Massenbewegung werden, die ideale Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft: von Populisten für Populisten. Ein Reich der Andersdenkenden. Kommt! Egal ob Altnazis, orientierungslose greise, anti modernes Dynamo Milieu, kommt! Thor Steinar komm! Wir laden ein. Wir machen die Regeln. Wir sind das Volk. Die Bewegung. 

Es war seltsam, bizarr, nicht von dieser Welt. Diese kuriose Szene wird mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Selbst Tage danach löste der Gedanke an dieses Spektakel ein breites grinsen bei mir aus. Keine Ahnung welch Wochentag es war, ist ja auch egal, solche Sachen passieren stets früh morgens, ich war müde, es war kalt, ich wollte zu Arbeit. Ich lief die Treppen hoch zur S-Bahn Station, da steht meine Lieblings Kaffeebude, da gibt es immer frischen heissen Kaffee. Der ist so heiss, selbst an der Zielhaltestelle angekommen – immer noch genießbar. Schon auf der Treppe nach oben überfällt mich jedes mal die Vorfreude auf heissen Kaffee, dieses Mal jedoch, wurde die Vorfreude abrupt vom lauten Lachen verdrängt. Plötzlich war ich wieder im Hier und Jetzt. Lautes Gelächter? Um die Zeit? Mitten in der Woche? PartygängerTouris? Oben angekommen war nichts zu erblicken. Ticketautomaten und Säulen versperrten mir die Sicht. Ich musste weitergehen. Nunmehr war auch eine Melodie zu hören, schlimme kitschige Weihnachtsmusik, leicht verzerrt und übersteuert. Was zum Henker? Endlich hatte ich freie Sicht. Ich erkannte sie wieder, die Gesichter, die sonst wie an allen anderen Tagen, strikt nach Gewohnheit vor der Bude herumstehen, mit blasser Mine ihren Kaffee trinken, schnell noch ein zwei Kippchen rauchen, witzeln oder sich gegenseitig hochschaukeln. Ich gebe mir das jeden Tag wirklich gerne. Meine Abwechslung. Am besagten Tag war es anders. Sie standen im Kreis zueinander gedreht. Der Ausdruck in ihren Gesichtern, er war anders als sonst. Sie schauten glücklich aus. Beinahe zufrieden. Für kurze Zeit frei von allen Sorgen. Und was zauberte ihnen den Frohsinn auf die Visage? Mein Blick senkte sich. Der Störenfried war enttarnt. Ein weißer Teddy. Ein Plüschtier mit 9 Volt Batterien im Rücken. Weihnachtlich angezogen. Abteilung: Neunzigerjahre. Es lief herum, es lebte, war voller Elan, bewegte Arme und Beine, wild gestikulierend, drehte es den Kopf zur Seite, dann schnell wieder zurück. Es wiederholte das Schauspiel, so als ob es keinen Morgen gäbe. Die Menge tobte. Ich blickte wieder nach oben. Ihre Gesichter. Ihr Gelächter. Sie waren immer noch happy. Standen versammelt in der Kälte, ergötzen sich an der Technik, schaukelten zur Melodie. Manche sangen mit. Ich blieb kurz stehen. Irgendwie bewunderte ich diese Menschen. Es war ihnen scheiß egal was andere von dem Geschehen hielten. Es kümmerte sie nicht. Schließlich ging ich meinen Kaffee holen. Während meiner Wartezeit am Bahnsteig, drehte ich mich nicht einmal zurück. Aus Sorge vor Verlust. Ich wollte den Moment so beibehalten, wie er sich zuvor eingebrannt hat.