Archiv für den Monat: Oktober 2014

Sie gingen raus, forderten freie Wahlen, zeigten fest entschlossen der Macht ihr Gesicht, und die Macht, sie schreckte für einen winzigen Augenblick auf, zog die Augenbrauen hoch, ging einen Millimeter zurück…, damit hat sie gewiss nicht gerechnet. Seit langem nicht mehr gab es in China so friedliche Proteste. Zu Zehntausenden standen auf den Strassen der Geschäftsviertel junge Leute. Sie hatten Regenschirme dabei, das Markenzeichen der Bürgerbewegung, ausserdem ein wunderbarer Schattenspender und verlässlicher Beschützer bei Attacken mit Tränengas, damit war der Strom unaufhaltsam unterwegs. Fest aneinander verschweisst, legten sie zunächst den Verkehr lahm. Sie zeigten Protest durch simple Massenanwesenheit. Sie waren friedlich, höflich, elegant und entgegenkommend. Am Ende waren ein paar Tage Ausnahmezustand genug für Peking. Man wollte wieder Ordnung ins Chaos sprühen. Es reichte trotzdem, die ganze Geschichte ging um die Welt, wurde so gross, dass selbst chinesische Sender nicht wegschauen konnten. Die Geburt einer Bürgerbewegung. Einzigartig im Reich der Mitte und nur in Hongkong möglich. Wo sonst, wenn nicht dort, im Schoss des duftenden Hafen, unter Schutz der Weltöffentlichkeit. Im überwiegend britisch geprägtem HongKong, fühlen sich die jungen Menschen dazu ermutigt, gar verpflichtet, Peking den Zeigefinger auf die Brust zu legen. Sie begreifen sich als Idealisten, zu allererst als Bewohner Hongkongs, und dann als Chinesen. Es tut sich was im Reich der Mitte.

Dreist enthaupten sie vor der breiten Weltöffentlichkeit unschuldige. Massenvergewaltigungen und systematischen Säuberungen sind ihr Handwerk. Jeden Tag. Sie handeln mit Kindern, entrissen von Müttern. Sie organisieren öffentliche Hinrichtungen, verbreiten Terror. Überall. Jeden Tag. ISIS. Wer mitzieht darf bleiben, wer abweicht wird geköpft. So einfach ist das. Der Krieg gegen die Irren ist dennoch keine Lösung. Er ist notwendig. ISIS vertreibt Menschen aus ihrer Heimat, ermöglicht ihnen keine Rückkehr mehr, und selbst wenn jemand überlebt, wird er aufgrund des Erlebten nie wieder ruhigen Schlafen können. Die Stimme der Peiniger sitzt tief, sie wird nie mehr verschwinden. Manche wanken mit traumatisierten Gesichtern an der Grenze entlang. Noch immer. Wie Hunde im Tierheim, allein und in Stich gelassen, ständig um die eigene Achse. Man meint, dass diese Menschen gebrochen sind. Man meint, sie schaffen keinen weiteren Tag. Anmutig schaut ein Überlebender in den Himmel, mit verschwommenen Augen und tiefer Einsicht bringt er ein Wort über die Lippen, schāllāh, so Gott will, wird wieder Frieden eintreten und wir können zurück in unsere Städte. Dieses Wort. Obgleich durchlebtem Albtraum, er deprimiert wirken sollte, zerstört und irreparabel, keimt immer noch irgendwo in dunklen Gefilden die Hoffnung. Der Glaube dieser Menschen, so stark, so gefestigt, eine Sprache direkt aus dem Herzen schnurstracks zu Gott. Der Islam. Er ist perfekt, die Muslime sind es nicht. Der Koran fordert wie jedes Buch Beschäftigung. Da hilft kein herauspicken der besten Rosinen. Statt Suren falsch zu deuten, sollten Gelehrte aufklären, den inneren Weg sich Gott hinzugeben, ja zu öffnen, für Gläubige eindringlicher erläutern. Ein Muslim ist jemand, der sich Gott unterwirft, und nicht jemand, der sich zum Gott erklärt, um wie er meint so selbstlos über Leben und Tod zu bestimmen.

Zum Tag der Einheit: die europäische Asylpolitik

Stellen wir uns der vermeintlich gigantischen Aufgabe Flüchtlinge aus aller Welt, unter anderem Syrien, aufzunehmen. Warum nicht? Ich dachte wir brauchen Leute? Der demographische Wandel und so. Ich dachte Einwanderungsland und so. Wir tun uns schwer. Das Boot ist voll. Nun aktuell, treiben vor der Festung Europa, genauer betrachtet vor Lampedusa, sofern sie nicht schon ertrunken sind, viele Boote herum, alle voller Menschen in Not. Sie suchen Asyl. Von ihrer Heimat schwer traumatisiert, von Ängsten verfolgt, und mit dem Gefühl allein gelassen, zu Hause sich seines Lebens nicht mehr sicher zu sein, sehnen sie nach geregeltem Leben, nach einem Ort zum Leben. Wahrlich, vielleicht sind die armen Schweine in den Booten die besseren Europäer. Vielleicht verdienen sie unseren Überfluss, den sie träumen noch in kleinen Sphären. Nehmen die Gefahr auf sich, bezwingen das Meer, kommen darin um. Alles zu unbequem für uns, dann doch lieber abschotten und die Landwege versperren, siehe türkisch griechische Grenze. Man nimmt in Kauf, dass Flüchtlinge mangels vernünftiger Gesetze skrupellosen Schleppern in die Arme laufen. Was sollen sie den sonst tun?! Sie zahlen Wucherpreise für ihren Traum vom Westen, um auf dem Weg hierher schließlich elendig zu ertrinken. Ein unfaires Geschäft, die europäische Flüchtlingspolitik. Schützt doch die Flüchtlinge und nicht die Grenzen. Die Flüchtlingsströme wachsen, ist doch seit langem vorhersehbar, da wird nichts weniger für uns, das kann man nicht mehr verdrängen. In der Zukunft wird man Flüchtlinge aufnehmen müssen, ob man will oder nicht, basta. Die Frage ist wie wollen wir damit umgehen? Wie will ein reicher Staatenverbund, eines der reichsten der Welt wohlgemerkt, dem entgegentreten? Wieder zuschauen? Man begreift nur sehr langsam, wohl erst nach noch mehr Toten an den Stränden, dass die Schwierigkeiten der Einzelnen auch alle anderen EU Mitglieder betreffen. Solidarität. Mal wieder. Einheit. Mal wieder. Alles Grundprinzipien einer jeden Mannschaft. Die europäische Asylpolitik, ein Dach für das es noch kein Haus gibt. Die Willkommenskultur, ein hübsches Wort für das es noch kein reales Bild gibt.

Dinamo Zagreb Fans erinnern.