Archiv für den Monat: September 2014

Manchmal, da wundere ich mich. Es ist stetig dasselbe. Ich komme von der Frühschicht heim, verrichte mein alltägliches Werk, lege mich aufs Bett, träume, schlafe, und bin wütend, wütend dass ich es noch immer nicht geschafft habe die Bettdecke zu waschen. Dabei war ich so sicher, gestern Nacht, noch vor dem eigentlichen wegtreten, da fasste ich den Entschluss sie zu waschen. Ich sagte mir, gleich morgen wirst du es machen, gleich nach der Frühschicht, sofort danach. Und was ist geschehenNichts ist geschehen! Ich sitze, beobachte das Brillenputztuch, und komm der Erkenntnis näher, dass es sich seit gestern kaum bewegt hat. Wie ich.

giersch 

nicht zu unterschätzen: der giersch

mit dem begehren schon im namen – darum

die blüten, die so schwebend weiß sind, keusch

wie ein tyrannentraum.

kehrt stets zurück wie eine alte schuld,

schickt seine kassiber

durchs dunkel unterm rasen, unterm feld,

bis irgendwo erneut ein weißes wider-

standsnest emporschießt. hinter der garage,

beim knirschenden kies, der kirsche: giersch

als schäumen, als gischt, der ohne ein geräusch

geschieht, bis hoch zum giebel kriecht, bis giersch

schier überall sprießt, im ganzen garten giersch

sich über giersch schiebt, ihn verschlingt mit nichts als giersch. //  JAN WAGNER