Archiv für den Monat: Juni 2014

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Er sagte: „Wenn ich wie du dächte, würde ich mich umbringen.” Ich rief: „Wozu? Ich werde früh genug tot sein, und sei sicher, ich halte nicht viel von der Bewegung des Lebens, aber mich graust vor dem Nichtsein des Todes. Warum sollte ich mich umbringen? Ja, wenn ich, wie du, den Selbstmord für eine Sünde hielt, dann gäbe es ein Nachher! Die wirkliche Versuchung, dieser Welt zu entfliehen, ist der Glaube an ein Jenseits.
Wenn ich nicht an den Himmel und an die Hölle glaube, dann muß ich versuchen, hier etwas Glück, etwas Freude zu finden, hier muß ich Schönheit und Lust suchen. Es gibt keinen anderen Ort für mich, keine andere Zeit. Hier und heute ist meine einzige Möglichkeit. Und die Versuchung, mich umzubringen ist dann nur eine Falle, die man mir hingestellt hat. Aber wer hat sie mir hingestellt? Wenn die Falle da ist, ist auch der Fallensteller nah. Da beginnt der Zweifel. Der Zweifel des Ungläubigen an seinem Unglauben ist mindestens so schrecklich, wie der Zweifel der Gläubigen. Und wir zweifeln alle. Sage nicht, daß du nicht zweifelst. Du lügst. Im Käfig der unseren Sinnen erreichbaren drei Dimensionen kann es nur Zweifler geben.
Wer fühlt nicht, daß eine Wand da ist, ich nenne dieses Etwas oder dieses Nichts eine Wand, es ist ein unzulänglicher Ausdruck für etwas, das uns vor einer uns nicht zugänglichen Region trennt, die ganz nahe sein mag, neben uns, vielleicht gar in uns, und würden wir eine Pforte zu diesem Bereich finden, einen Spalt in der Wand, sähen wir uns und unser Leben anders. Vielleicht wäre es schrecklich. Vielleicht könnten wir es nicht ertragen. Es ist die Sage, daß man zu Stein wird, wenn man die Wahrheit sieht. Ich möchte das entschleierte Bild sehen, selbst wenn ich zur Säule erstarre. Aber vielleicht wäre auch dies noch nicht die Wahrheit; und hinter dem Bild; das mich erstarren ließ, kämen andere Bilder, andere Schleier, noch unbegreiflichere, noch unzugänglichere, vielleicht noch furchtbarere, und ich wäre ein Stein geworden und hätte doch nichts gesehen. Etwas ist für und unsichtbar neben der Welt und dem Leben. Aber was?” „Du suchst Gott nicht in einem Haus, du suchst ihn in Sackgassen”, sagte Adolf. „Wenn er ist, wohnt Gott auch in Sackgassen”, sagte ich.                                                                          Wolfgang Koeppen, Der Tod in Rom (1954), Quelle: conols online

leader

Man redet wieder miteinander. Der Iran öffnet sich, erkennt völlig richtig, dass es raus muss aus der Isolation. In England gibt es wieder die iranische Botschaft, sie war für 2 1/2 Jahre geschlossen. Die Zeiten der Embargos sind vorüber, die Zügel werden gelockert, der Iran wird hoffähig, steuert einen neuen Kurs an. Das Vertrauen wächst, der Westen geht vorsichtig auf ein wichtiges Land in einer turbulenten Region zu. Der Krieg in Syrien, im Irak, die Terror Miliz ISIS, das Chaos in der Gegend, das alles bringt die Iraner näher an den Westen, spielt dem islamischen Staat in der Region eine neue, eine wichtige Rolle zu, den auch unsere Interessen gilt es in Bagdad zu verteidigen. Der Iran ist an einem sunnitischen stupiden Extremismus nicht interessiert, es gibt schon genug Schwierigkeiten im eigenem Land mit der sunnitischen Minderheit an der Grenze zu Pakistan. Und aktuell im Irak will das Land helfen, will Verantwortung übernehmen, bietet öffentlich der irakischen Regierung Unterstützung an. Was gerade passiert, könnten bereits die ersten Schritte sein in Richtung Stabilität im Mittleren und Nahen Osten. Dies zu sichern ist eine iranische Aufgabe, die Führungsrolle in der Region, seine natürliche Rolle, man schaue nur auf die lange Geschichte der Perser. Stabilität anstelle von Hardliner Rowdytum. Vernünftige Beziehungen zu seinen Nachbarn anstatt Jahrelange Scharmützel und falsche Spielchen. Frieden schaffen! Gewiss, dies wird sicherlich dauern, noch lange, den man kann nicht Jahrzehnt andauernde Hassparolen wie aus dem Nichts beerdigen, um sich dann auf einmal neu zu orientieren. Kann man das? Und ist dafür überhaupt noch genug Zeit? Und wie kriegt man die Hardliner zu Ruhe? Der Westen sollte nicht warten, lieber sollte er aktiv das aufeinander zugehen beschleunigen, mehr agieren anstatt immer nur zu reagieren. Vorausgehen heisst die Parole. Meinen Glauben an das iranische Volk, besonders an die Jugend dort, möchte ich nicht verlieren, ich schliesse Chamenei mit ein, doch machen wir uns nichts vor, erst vor wenigen Jahren wollte man noch den Judenstaat ausradieren, leugnete breit öffentlich die Shoa – den Mord an Millionen von Menschen jüdischen Glaubens, alles unter dem stillen Schleier des Ajatollah. Auf einmal alles passé?! Die Zeit wird es ernüchternd aufzeigen. Eines aber kann man sagen und dies ist definitiv, der Iran will und muss raus in die Welt.