Archiv für den Monat: Mai 2014

das Fenster zum Hof

Ein Blick aus dem Fenster kann einen fesseln, anregen, zum pokern herausfordern. Schaut man aus dem Küchenfenster, schaut man auf Köpfe. Es geht um Passanten. Etliche durchqueren die Rigaer Strasse. Mit der Zeit liest du in der Gangart ihre Tragik heraus oder gar ihr Glück. Sie laufen los. Zeigen sich. Jeder reagiert anders. Ich schaue herunter. Ich schaue auf sie ab. Ich suche das Alltägliche. Ich suche die Natur des Menschen. Ich beobachte Scheinwahrung . Dabei sind Details wichtig. Reaktionen. Bewegungen. Alles aus sicherer Entfernung. Sie wissen es nicht. Sie ahnen nichts. Auch nicht wichtig. Jetzt gerade: Eine Frau sitzt auf der Treppe. Sie war mit dem Fahrrad unterwegs, sie geniesst ihr Bier in der Sonne. Paar Meter weiter sitzt ebenfalls jemand, ein Herr, neben ihm steht ebenfalls ein Rad, – ein Mountainbike. Beide tragen Outdoor Kleidung. Beide wirken Sportlich. Sie trinkt, er tippt. Eine Weile fehlt es an konkretem. Geh doch rüber und quatsch sie an, dünkt es mich, genug Gemeinsamkeiten habt ihr ja. Mann Mann. Meine Gedanken werden nicht erhört. Sie steht auf und läutert die Aufbruchstimmung ein. Er hingegen ist noch immer am tippen. Smart. Er hat sich völlig hingegeben. Sie steigt aufs Rad und fährt davon. Ich dreh mich um und geh davon.

 

 

 

 

 

unknown

Welch Wiege entsprangen die Zwei himmlischen Brüder vereint nur für kurze Zeit, als Sie kreuzten unseres Sternenfensters Stratosphäre. Einer aus dem Morgen, einer aus dem Abendland.

Porète

Der Verstand: Zum wem denn sprecht Ihr, sagt der Verstand.

Die Seele: Zu all jenen, sagt sie, die nach Eurem Rat leben, die Dummköpfe sind, Esel, im Hinblick auf deren Grobheit ich mein Reden lieber vor ihnen verbergen will, als offen zu sprechen. Ich erkläre, sagt die Seele, dass ich ihrer Grobheit wegen schweigen und meine Sprache verheimlichen muss, die ich in der Verborgenheit am geheimnisreichen Hof des lieblichen Landes lernte, in dem Land, in dem Zuvorkommen das Gesetz ist und Liebe das Maß und Güte die Speise, dessen Süßigkeit mich anzieht, dessen Schönheit mich erfreut, dessen Güte mich sättigt. Was kann ich denn dafür, dass ich im Frieden lebe?   Margareta Porete„Spiegel der einfachen, zunichte gewordenen Seelen und derer, die einzig im Wunsch und der Sehnsucht nach Liebe verharren“