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Im Osten geht die Angst um. Die Angst vor dem Fremden. Die Angst vor schwarzen Haaren. Die Angst vor Frauenraub. Darum baut der Osten eine Mauer. Eine noch unsichtbare, aber bald für jeden eine zu erblickende Mauer. Ergo was macht man mit dem Osten? Muss man nicht Verständnis gegenüber Ost-Ängsten zeigen? Eigentlich schon, jedoch müsste der Angst etwas wesentliches vorausgehen – die Berechtigung. Ist dies der Fall? Ich mag das Wort Osteuropäer nicht. Diesem Wort läuft etwas dreckiges voraus. Etwas kaltes. Ein klein wenig was zurück gebliebenes, etwas isoliertes. Es beinhaltet eine gewisse Opfer Ideologie in sich. Nehmen wir mein Geburtsland – Polen. 38 Millionen Einwohner. Davon die starke Mehrheit: römisch-katholisch. Ein homogenes Volk. Meist unter sich. Das war nicht immer so, bedingt durch die Geschichte, ist es aber so. Polen, ein romantisches Volk. Möchte mehr den je seinen Traum leben: Frau, Haus, Auto, Kinder, Kredit. Eben Dinge realisieren, die Jahrzehnte vorenthalten wurden oder schwer zu realisieren waren dagegen in Westeuropa schon ewig als das Maß der Dinge (Shape of Things) galten. Nie wieder Schmach. Nie wieder hinterher hinken. Nie wieder fremd bestimmt. Gemütlich soll es sein. Schön soll es aussehen und allen voran… polnisch. Auf dem Lande grüne Wälder, blaues Seewasser, hübsche Prominaden in den Grossstädten, auf Plätzen Monumente grosser Denker. Als Zeitgeist soll möglichst die scheinheilige Fahne der Weltoffenheit wehen. Man ist hochprozentig bereit diese Ideale vor jedem der nicht dazu passt abzuschotten. Man ist in Polen bereit, Gott und Geld unter einer Decke zu stecken.   Schaut man zurück auf die östliche Ebene Europas mit Empathie anstatt mit dem Zeigefinger, dann ist dies mehr als verständlich. Und wie die Elite des Landes stets erinnert und wunderbar im Rückspiegel aufzeigt, so schaut es weniger in die gemeinsame Zukunft Europas, die es jedoch gewillt ist mitzubestimmen. Im Prinzip ist es auch richtig, jedoch ebenfalls viel zu leicht gedacht, ein klein wenig egoistisch. Es ist korrekt, dass die polnische Regierung viel angestellt hat um Flüchtlinge aus dem Donbass aufzunhemen. Wohlgemerkt weisse, katholische Ukrainer mit überwigend polnischen Wurzeln. Sie dienen als billige Arbeitskräfte, ja zum Teil stopfen sie die Lücke die Millionen von Polen hinterlassen haben, als sie aufgrund besserer Verdienstmöglichkeiten ihre Heimat Richtung England verlassen haben. Jedoch genauer hingeschaut: wo ist da die kulturelle Herausforderung? Der Einbezug der Integration? Ist dies nicht viel mehr eine berechenbare gut kalkulierte Migration, welche dem Land mit niedriger Geburtenrate paradoxer weise gerade recht kommt? Wie sonst lässt es sich erklären, dass Kriegsflüchtlinge aus Syrien nicht willkommen sind und eben mit dem ukrainischen Argument im Westen abgeschmettert werden.

Polnische Spezialkräfte in Afghanistan

Zusammen mit den Amerikanern, als Koalition der Willigen, beteiligte sich die Republik an den Kriegen in Afghanistan und dem Irak. Ist man da nicht in der Pflicht nach dem berühmten A auch das nicht so bequeme B zu sagen? Schlüssig die Konsequenzen aus dem Schlamassel in der Region zu ziehen? Als im Großteil Europas Angst und Elend herrschte, der dreißigjährige Krieg andauerte und Frauen verbrannt wurden, war das polnische Königreich ein warmes Nest für diejenigen, die Verfolgte waren, es herrschte Recht und Religionsfreiheit, Toleranz und Vitalität. Unter anderem ein Grund weshalb das Königreich zur Heimat für eine der größten jüdischen Gemeinden der Welt wurde, der Krakauer Rabbiner Moses Isserles schrieb dazu: “In diesem Land gibt es keinen solch heftigen Hass gegen uns wie in Deutschland. Möge es bis zur Ankunft des Messias dabei bleiben!”

Sigismund II. August, König von Polen Während seiner Herrschaft von 1548 bis 1572 war Religionsfreiheit ein königlicher Wille.

Und 2016? Kein Vergleich mehr. Der polnische Staat ist gerade dabei sich rein zu waschen. Es schüttelt lästige Flöhe der Vergangenheit ab und ist dabei ehemalige Kommunisten an Laternen aufzuhängen. Man betreibt unnötige Sisyphusarbeit, geht auf den eigenen Dachboden und sucht mit Taschenlampen nach Ratten aus längst vergangenen Epochen. Man befindet sich mitten in einer Säuberung, einer perfiden Kampagne und es scheint mir, als gehe die Rzeczpospolita (ist an den lateinischen Begriff res publica angelehnt) einen Schritt vor und zwei zurück. Jüngst im Fadenkreuz steht Lech Walesa’s Verdienst im Fadenkreuz der Inquisitoren. Alles zur einer Zeit in der Europa vor gewaltigen Aufgaben steht, ja sogar um seine Existenz fürchtet.

Zwei der wichtigsten gemeinsamen Errungenschaften, die gemeinsame Währung und die offenen Grenzen, stehen vor dem Bankrott. Und diesen Fakten verweigert man sich durch unnötige innere Landes Zuwendung. Mitten im Zerlegungsprozess der europäischen Union nutzt das Land nicht die Chance als Stütze zu fungieren, nutzt nicht zusammen mit der Bundesrepublik die Gelegenheit das allein richtige zu etablieren, nämlich die Aufnahme von Menschen in Not, die von Geburt an das Recht haben, wie es auch unsere Vorfahren hatten, in einem der wohlhabendsten Kontinente der Welt ein neues friedliches Leben zu führen. Stattdessen baut man ein Gegenpol in Ost- Mitteleruopa (Visegrád-Staaten). Man fühlt sich wieder bedroht.

Fanatischer Kult in Czestochowa: 14 Meter hohe Statue von Papst Johannes Paul II

Das stimmt mich traurig, zugleich zeigt es mir auch welch ein Glück ich hatte in einem Land aufzuwachsen, indem die Regierungschefin sich offen für Menschen in Not einsetzt und damit in Kauf nimmt sich ins politische Abseits zu befördern.

Öffnet Grenzen!

Wir waren selber Flüchtlinge, Aussiedler, Armutsmigranten, was auch immer. Das Pack aus dem Osten, untergebracht in Sammelherbergen. Wir kamen nach Deutschland und wussten nicht wie es weiter geht. Wir waren selber unter den besorgten Ahnungslosen, ich und meine Eltern, im fremden Land mit ungewisser Zukunft. Heute sind über 60 Millionen auf dem Weg in ein neues Leben. Lebendig oder Tod, sie riskieren alles, den sie haben genug von Krieg, Armut und Hunger. Öffnet also endlich die Grenzen, damit Vertriebene nicht wie Flüchtlinge behandelt werden, nicht wie Pack, sondern wie Menschen, die Anrecht auf eine friedliche Zukunft haben – Platz ist genug! Abschottung bringt doch nix. Niemand verlässt freiwillig sein Heimatland um blind in ein schwarzes Loch zu springen. Die Mauer zwischen Mexiko und den USA hat die Migration nicht gestoppt – im Gegenteil, und in Europa gab es keine “Welle” nachdem man die Grenzen geöffnet hat. Ihr wollt Migration kontrollieren? Migration einmauern? Bescheuert! Nichts, rein gar nichts wird mich aufhalten, wenn ich schon das Schlimmste der Welt gesehen habe; keine Mauer, kein Zaun, kein Meer. Begreift ihr das nicht? Ich muss nicht in die Kugel schauen, um zu realisieren, dass in Zukunft noch mehr Menschen Glück im Westen suchen werden. Und dann? Wird man noch immer davon sprechen, dass das Ausmaß nicht hervorzusehen war? Legalisiert die Einwanderung, den Migration ist ein Teil unserer Realität, Stichwort Globalisierung, liebe besorgte Bürger, und die Bundesrepublik ist ein Einwanderungsland! Fakt! Das sollte man als Chance sehen.

Schon vergessen?

Edward Snowden, Angestellter einer Regierungsbehörde, er ist mutig, steht zur US Verfassung, er hat ausserdem Geheimnisse preisgegeben, da seiner Meinung nach die Vereinigten Staaten den Boden der Werte und Rechte verlassen haben. Freiheit, Gleichheit, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit, sowie Glaubens und Gewissensfreiheit. Heute drohen die Staaten jedem Land, dass sich für Snwoden eangagiert, mit Stress. Bedeutet also: mutiges handeln wird unterdrückt.

Edward Snowden hat sein Leben aufs Spiel gesetzt, um uns aufzuklären. Der hat uns, der breiten Masse, was über unsere Regierung erzählt, das hätten wir ohne ihn schlicht nie so erfahren. Er hat eine Transparenz hergestellt die notwendig war. Wir sollten darüber informiert werden, was mit unseren Informationen passiert. Das war die Motivation seiner Tat.

Wie aus einer anderen Welt: 1987 plante die damalige Bundesregierung eine Volkszählung. Gesagt getan. Doch mit einem Faktor rechneten sie nicht: mit dem gemeinen Bürger. Tausende gingen damals auf die Strassen. Es gab Bürgerinitiativen, bundesweite Aktionen, Demonstrationen. Dem Deutschen war diese geplante Volkszählung deutlich zu viel Eingriff in die Privatsphäre. Also stellte man sich quer, getreu dem Motto: Ich werde nicht gezählt! Schliesslich, nach einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht wurden die Pläne der Regierung über Bord geworfen. Die simple Urteilsbegründung des höchsten Gerichts: den Bürgern steht das alleinige Recht zu über Preisgabe und Verwendung ihrer persönlichen Daten zu bestimmen.

 

 

Wer jetzt kein zu Hause hat, wird niemals eines haben. Wer jetzt allein ist, der wird alleine bleiben, wird herumsitzen und an den langen Abenden noch längere Briefe schreiben und die verlassenen Strassen rastlos hinauf und hinunter wandern, während die trockenen Blätter umher weben.

Damit das System fortbestehen kann, müssen Kriege geführt werden, wie es die großen Imperien immer getan haben. Einen Dritten Weltkrieg kann man jedoch nicht führen, und so greift man eben zu regionalen Kriegen.” 

 

Papst Franziskus  <Sueddeutsche Zeitung>

 

Jan Böhmermann hat mit seinem Video über den gestreckten Mittelfinger des griechischen Finanzministers alle an der Nase herum geführt. Soviel ist klar. Diese Aktion ist deswegen so genial, weil sie so viele Ebenen hat. Am schlechtesten sahen dabei die staatstragenden Medienstars aus, die für ein gutes Gehalt immer bereit sind, die nationale Ehre angesäuert zu verteidigen. Das sind die Günther Jauchs dieser Welt, die meinen, ein ausgestreckter Mittelfinger gegen Deutschland ist so schlimm, dass man im Hauptabendprogramm darüber reden muss. In dieser Welt ist der Mittelfinger schlimmer als die humanitäre Katastrophe, in die die Troika Griechenland geführt hat.

Quelle: derstandard.at Wenn Fake und Fake die Wahrheit ergibt.