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Was ist das eigentlich für ein Phänomen im Laden? Sobald du irgendeinem Kunden ein freundliches ­Moin entgegen schmeißt, kommt nix zurück. Nix. Keine Reaktion. Sie schlendern, mir nichts dir nichts, einfach so vorbei, übrig lassen sie nur ihre Duftnote, meine Nase kriegt es noch mit, und weg sind sie, war das Hugo Boss eben? Sie lassen dich elegant stehen. Schenken deinem Gruß keine Beachtung. Wieso den auch? Ich habe ihre Aufmerksamkeit nicht gewonnen. Was ist bloß los? Spreche ich zu leise!? Bin ich es nicht wert? Warum antwortet nur einer von zehn? Einer! Der Rest müht sich nicht ab, getreu dem Motto: Kommt was auf mich zu, schau ich schnell weg. Ich gestehe freimütig – diese Sorte Kunden liebe ich. Sie meiden Kontakt. Das kann und will ich ihnen nicht durchgehen lassen, nicht hier in meiner Zone. Ich gehe auf solche zu, wie eben von der Leine gelassen, freundlich lächelnd, mit dem Bestellgerät in der Hand, das Ding ähnelt mit viel Fantasie einem kleinen Schlagstock samt Schnur am Ende des Griffes für sicheren Halt. Ich fuchtele beim ­gehen damit herum, wie Wärter in Gefängnisfilmen, von einer Hand zu der anderen, ganz langsam, ein bisschen Show erhöht den Spaßfaktor im tristen Joballtag, gibt dem Ganzen einen wahren Sinn. Die meisten werden bei dieser Art der Direktheit sofort aufmerksam, es irritiert sie, sie schauen dich an, jetzt müssen sie auch, ich habe ihre Sinne und ich grüße sie laut, spiel den Automatismus ab, und ziehe langsam vorbei an ihnen, wie Fährboote an einer Mole. Im Hintergrund noch, höre ich ein  zaghaftes ‘Moin‘ zurück. Scheiß Akzent, denk ich mir, man merkt sofort – nicht aus dem Norden. Aber immerhin, geht doch. Bei solchen Angriffen sieht die Statistik natürlich anders aus. Zehn von zehn grüßen jetzt. Zehn von zehn! Ich mache weiter, immer weiter, selbst wenn nur tote Blicke zurückkommen. Was bleibt mir übrig? Welch andere Option? Etwa diesen Sieg der Arroganz überlassen? Und mit gesenktem Haupt nach Hause fahren? Ne! Nicht mit mir. Ich bin das Bollwerk, die Mauer, die Festung. Der nervige Dackel, der sich in Waden festbeißt, nicht mehr loslässt, selbst wenn der Knochen schon zu sehen ist. Liebe Kunden, ihr sollt zukünftig bei meinem Moin’ innerlich zusammenzucken, ihr sollt die Kraft dieses Wortes spüren und zwar so, dass ihr es jederzeit überall abrufen könnt, so hängen bleiben muss es.

battle axes

Manch gute Szenen machen einen guten Film aus. Szenen die im Kopf bleiben, sich einbrennen, nachhaltig wirken wie Legenden. “Snowpiercer” ist so ein Film. Ohne viel von der Story preiszugeben, muss man sich das Bild vor Augen halten. Als eine Gruppe von Aufständischen, aufrechte Frauen und Männer, ein Tor öffnen, erwartet sie dahinter buchstäblich das vermummte Grauen. Bewaffnet mit Äxten, Beilen, Säbeln und Ketten stehen ihnen Männer samt tödlicher Körpersprache gegenüber. Hier, in dieser Situation muss nichts geklärt werden. Hier weiss nun jeder was ihn gleich erwartet. Eine Konfrontation ist unausweichlich. In solchen Augenblicken liegt eine besondere Spannung in der Luft. Angstschweiß trifft auf den Drang das hier zu überleben. Autsch…