stories of old

Sie sind nicht nur hellsichtig, sie sind auch rechtschaffen und fromm – die beiden Esel, die in den von Johann Friedrich Schröder überlieferten Legenden aus dem Jahre 1851 die Hauptrolle spielen

Rabbi Jose hatte einen Esel, den er an Andere um Lohn verlieh. Wenn nun der Esel Abends nach Hause geschickt wurde, banden die, welche sich seiner bedient hatten, ihm den Miethzins an den Hals und der Esel nahm nie mehr oder weniger an, als er verdient hatte. Einst hatte man ihm seinen Lohn auch so angehangen, aber der Esel wollte nicht nach Hause gehen. Das kam dem Miether wunderbar vor und er suchte nun nach und fand ein paar Schuhe, die er ihm angehangen aber wegzunehmen vergessen hatte. Sobald er sie ihm nun abgenommen hatte, ging das fromme, ehrliche Thier sogleich nach Hause.  Rabbi Pinchas reiste einstmals, um gefangene Juden aus der Knechtschaft zu lösen und kam mit seinem Esel an den Bach Ginai, (wo dieser zu finden sei, können wir dem Leser nicht sagen.) Da er nun über denselben musste, so sprach er: „Bach, theile dich, damit ich hindurch gehen kann!” Da fing der Bach gleichfalls zu reden an und sprach: „Du gehst zwar in guter Verrichtung und willst dem Willen deines Schöpfers Genüge leisten, ich aber thue auch den Befehl Gottes und lasse mein Wasser in’s Meer fliessen. Zudem ist es auch noch zweifelhaft, ob du das in’s Werk richten wirst, was dir aufgetragen ist, während ich meinen Auftrag ungehindert verrichte.“ Der Rabbi drohte: „Wenn du dich nicht theilst, so soll hinfort kein Wasser mehr in dir fliessen.“ Auf diese Drohung theilte sich der Bach und zwar nicht nur einmal vor dem Rabbi und seinem Esel, sondern auch noch einmal vor des Rabbi Reisegefährten, einem arabischen Kaufmanne; ja als die Reisenden am andern Ufer einen Juden antrafen, welcher Waizen in die Mühle tragen wollte, um ihn zu dem eben bevorstehenden Osterfeste mahlen zu lassen, musste sich der Bach zum dritten Male theilen, um den Juden hinüber zu lassen. Als der Rabbi mit seinem Esel in’s Wirthshaus gekommen war, wollte dieser das ihm gegebene Futter nicht fressen. Auch als man die Gerste nochmals gereinigt hatte, zeigte er keine Lust, sich zuzulangen. Der Wirth berichtete nun die Sache dem Rabbi. Dieser sprach: „Ihr habt vielleicht die Gerste noch nicht verzehntet.“ Der Wirth bekannte seine Sünde, liess sogleich den Zehnten von der Gerste nehmen, und – nun liess es sich der Esel wohlschmecken.   Quelle: “Satzungen und Gebräuche des talmudisch-rabbinischen Judenthums. Ein Handbuch für Juristen, Staatsmänner, Theologen und Geschichtsforscher, so wie für alle, welche sich über diesen Gegenstand belehren wollen.” Siehe:Google Buchsuche.