ZUSAMMEN.KOMMEN.NEHMEN.TANZEN.GEHEN. 240115 Oranienburg

Es setzte sich in Bewegung. Der Mob. Die Kolonne. Das letzte Ensemble. Jeder hielt an jedem fest, wir zogen gemeinsam in die Nacht, wir zogen alle durch die Prärie. Durch stockfinstere Landstrassen. Mitten im nirgendwo. Zwischen Bahnhof und Industriegebiet. Auf fremdem Boden. Nicht unweit des Konzentrationslagers Sachsenhausen. Nur wenige kannten den Weg. Manch einer war das erste Mal in Oranienburg, was muss er sich gedacht haben? Und der Proberaum? Überkommt sie ein schauriges Gefühl? Werden Sie sich wohl fühlen? Immerhin war für das wichtigste gesorgt. Trinken. Essen. Programm. Ich beschloss also mich von diesen unbequemen Fragen zu lösen.

Der lange Flur. Der Keller. Die Türen. Das Labyrinth. Es fetzten die Kicks sich entlang ihren Weg, wie ein Drache, der durch die Korridore seiner Festung gleitet, und observiert, beschützt, vernichtet, dich                                                binnen Sekunden mit seinem heißen Atem grillt. Und so dröhnte der Bass, und die HiHat die zischte. Die Snare peitschte laut, so laut, dass keine Ecke mehr still blieb. Selbst der Putz, der heftig zum Takt mitritt, ließ mit jedem Einschlag der Kickdrum kleine Staubkörner regnen, sanft wie Schnee rieselten sie herab von der Decke, immerzu auf den kalten Kellerboden, nach ihrem eigenen Tempo. Es flogen Kippen auf den Teppich, Raketen der Nacht, doch ihr Schlag war harmlos. Die Gefahr wurde sofort von der tanzenden Menge gebannt, niedergetrampelt. Da glühte am Ende gar nichts mehr. Die armen Kippen. Tot. Eine unter ihnen war wie keine andere, das wurde mir beim aufsammeln klar. So viele verschiedene Marken. Jede menge selbstgebauter Filter. Unbenutzt.

   Ich weiss leider deinen Namen nicht mehr, du netter Zeitgenosse, sei mir nicht böse deswegen, es war schön das du da warst, ich weiß noch, als wir miteinander quatschten, ich versprach dir elektronische Tanzmusik, du hast dich drauf gefreut, und ja, ich habe mein Versprechen gehalten, und du hattest deinen Spaß, man sieht es dir an.       Paules Jim Beam Flasche. Er hat sie bekommen. Und ich einen Gast mehr. Man muß es verstehen; ohne diese Flasche wäre Paul erst gar nicht erschienen. Scheiße wäre dies. Die Party wäre nicht die gleiche, sie wäre berechenbarer. Das geht nicht. Deswegen war dieser Whiskey mein Köder. Am Ende war der Schriftzug der einzige Zeuge. Paul war dabei. Ich fand die leere Flasche beim Aufräumen hinter einem der Lautsprecher.