Helena

Ich bewundere meine Oma. Sie ist ein Dinosaurier, den im Raum waren sieben Personen, der Jüngste 8 Monate alt, der älteste 41 Jahre jung, und sie alle, sie alle waren schon mal als Baby bei meiner Oma. Alle verbrachten ihre Kindheit in dieser Wohnung an der Strasse Krótka. Meine Oma, am Zenith des Mitgefühls angekommen, Generationen aufgezogen, schon für über Tausend Leute gekocht, sie verdient mehr als nur Anerkennung. Wie kann man ihre Leistung überhaupt messen? Allen hat sie schon mal die Windeln gewechselt, allen hat sie das Fläschchen gegeben, allen sang sie das selbe Schlaflied. Wer hat da mehr Last auf seinen Schultern zu tragen Messi oder Oma? Sie sagt, dass sie es hasst, die Verlierermannschaft, die Spieler bei der WM, weinen zu sehen. Sie tun ihr einfach leid. Den Tränen selber nahe, kann sie nicht mehr, und knipst den Fernseher aus. Ist sie nicht großartig? Sie bestätigte die Geister Geschichte. Demnach war es mein Opa der uns damals in der Wohnung besuchte. Ich schlief als Kleinkind im gleichen Zimmer wie Oma, dann irgendwann mitten in der Nacht, ging das Licht in der Küche an. Ich öffnete die Augen und sah den Schatten von Opa. Er war in der Küche. Meine Oma sprach damals leise zu mir, dass er manchmal nach dem rechten schaue, dies sei ganz normal, eine Art Kontrollgang. Das beruhigte mich irgendwie obwohl ich genau wusste, dass Opa schon seit paar Monaten tot war. Meine Oma überlebte den zweiten Weltkrieg und ihr eigenes Kind. Ich weiss nicht ob ich beim nächsten Tczew Besuch Oma noch lebend sehe, dies war meine Befürchtung vor der Fahrt, doch jetzt, nachdem ich sie gesehen hab, wie sie mit meinem Neffen spielt, wie sie mit ihm lacht, ihn durch die Luft wirbelt, weiss ich genau, dass Helena Froehse (geb. Rajkowska) noch großartige Jahre vor sich hat.