MOND, ESEL, BLAUDISTEL


Ich lenkte heut Nacht dies sonderbare Stück Geflügel
das man Auto nennt
und sah einen Esel an einem Mondbusch schnuppern
und die unglaublich roten Beeren verschlingen
Im Paradies war seine lange Zunge
mit seligen Geschmackspapillen
(Wer findet Worte für die Freuden einer Zunge
im schwarzen Brombeerensaft!)
Ich hielt den ungeschickten Wagen an
und sah die großen Eselsohren
als Schattenspiel vor dem Mond
der damals richtig golden war
und hörte sein großes Eselsherz schlagen
wogegen das meine, ein winziges Getriebe
dies veraltete Uhrwerk, mir armselig schien
Gern hätt ich ein stachliges Herz gehabt
um Dinge und Menschen zu verschlingen
und als Kollegin eine Blaudistel
die zarte Nahrung der Esel

O Esel im Mondschein, im Grund bist du mein Bruder!                                                               Odile Caradec, aus “Katzen, Damen, Funken”