Meanwhile in Poland

MEINUNG

Im polnischen Radom haben Spätpubertierende (siehe s/w Bilder) vom Lager der “Allpolnischen Jugend” (Młodzież Wszechpolska) eine friedliche Demonstration der KOD Bewegung (Komitee zur Verteidigung der Demokratie) attackiert. Der Angriff kam am helllichten Tag zur späten Mittagsstunde und machte damit deutlich, dass die Burschen keine Angst vor Konsequenzen haben. Sie fühlten sich ihrer Sache ganz sicher, gar also ob sie im Namen des Gesetzes agierten. Ihre Kampfschreie waren unmissverständlich: Tod den Feinden Polens!

Radikal und Erlebnis orientiert – die Allpolnische Jugend in Radom.

Die Polizei kam zu spät, die Täter waren längst weg, ihre Ziele Terror und Hass zu verbreiten hatten sie erreicht. In letzter Zeit mehren sich solche Angriffe gegen Andersdenkende. Sie untermauern die Tatsache, dass das Land an der Weichsel zunehmend vom Virus des Nationalismus befallen ist.

Die Regierung im Amt, selbst zum gewissen Teil hochgradig national und radikal, deckt und duldet solche Taten offen. Der Rechtsruck der Jugend ist ganz nach ihrem Geschmack und spielt der PiS sogar in die Tasche. Es herrscht also Narrenfreiheit für Radikale in Polen. Was braucht das braune Herz mehr? 

Die PiS Pressesprecherin Beata Mazurek bezieht Stellung zum Vorfall von Radom : “so etwas sollte nicht vorkommen, jedoch kann ich Sie (die Täter) auch verstehen.” Distanzierung sieht anders aus.

Jüngst machten muslimische Schüler aus Berlin Moabit, die unter anderem die Gedenkstätte Auschwitz Birkenau besuchten, ihre eigenen Erfahrungen mit primitiven Einheimischen in polnischen Städten. Gelinde gesagt möchte man nicht so schnell wieder nach Polen. Die Schüler wurden bespuckt, bedroht und beschimpft. Die Gesetzeshüter grinsten bloß nur statt ihre Pflicht zu erfüllen. Unfassbar!

“Tod den Feinden Polens!”, falscher Ehrgeiz im Dienste einer vermeintlich höheren Sache.

Nationalismus ist zum Mainstream geworden und  dauerpräsent in Polen. Es gibt keine klare Trennlinie zwischen Rechts und Rechtsradikal, zwischen Patriot und Nationalist. Die Ideologien verschwimmen ineinander und werden sich zu Recht gelegt wie es einem passt, dabei spielt Faktenverdrehung (das Problem unserer Zeit) eine wesentliche Rolle im Kampf um Einfluss im Land.  

Die Opferrolle Polens, der Kampf, die Kriege, die Vernichtung. Ideologisch gleitet man auf einer Welle zur gegenwärtigen PiS Rhetorik. Diese Rhetorik ist davon gekennzeichnet Menschen zu selektieren in gute Bürger und schlechte Bürger, in wahre Patrioten und gemeine Landesverräter, in Katholiken und Atheisten.

Man ist besessen davon das Land aus den Fängen der Kommunisten zu befreien, aus den Fängen des Westens oder aus dem Würgegriff einer liberalen Homo Ideologie, die nur darauf lauert polnische Männer gefügig zu machen. Offen liberale Gesellschaften, wie in Westeuropas Großstädten oft vorzufinden, sind kein Vorbild für Polen. Sie werden eher als Warnung angesehen, so sollen Warschaus Strassen nicht zur einer “no Go” Area werden.

Diese Propaganda einer vermeintlichen Gefahr transportiert man in die Schulen und Kindergärten, um zukünftige Patrioten heran zu züchten. Einst war Moskau Feindbild, jetzt ist es Brüssel, Multikulti und Vegetarismus.

Möchten die Zeit zurückdrehen u. dabei die eigene Nation über andere stellen. Die banale FALANGA Organisation.

Die Geister, die Jaroslaw Kaczynski rief werden nicht wieder verschwinden, sie werden bleiben, sie wittern Erfolg, den noch nie waren ihre Chancen sich gesellschaftlich zu etablieren so groß wie heutzutage. Die Szene wächst und gedeiht prächtig.

Tatendrang: wenn aus Liebe zum Vaterland Hass und Gewalt entsteht.

Dagegen formt sich nur bedingt Widerstand. Am größten war er, als mutige Frauen, allesamt in schwarz gekleidet, gegen ein geplantes vollständiges Abtreibungsverbot aufbegehrten. Das war dann zu viel für Jaroslaw K., er zog den Schwanz ein. Das Abtreibungsverbot blieb, wurde jedoch förmlich umgeschrieben. Leider nur ein Einzelfall.

Abtreibungsverbot: Schwarzer Montag treibt im Oktober 2016 Polens Frauen auf die Straßen.

Der Durchschnittspole ist zufrieden, für ihn ist Arbeit und das Wohl der Familie am wichtigsten. Haus, Auto, Garten, Urlaub, mehr braucht nicht. Die monatlichen Umfragewerte zeigen die Beliebtheit der PiS Regierung beim Volk. Die Demontage des Rechtsstaats ist dem Polen egal, andere Sorgen plagen seinen Tag, so ist es viel wichtiger durch den Monat zu kommen, als den Rechtsstaat zu retten.

Mit dem eingeführten Kindergeld 500+ (500zl vom Staat für das erste Kind) verschaffte sich die Regierung einen (fast) unendlichen Welpenstatus. Im Grunde wird die Bevölkerung am Wohlstand beteiligt, ein schlauer Schachzug welches die Vorgängerregierung zu tätigen versäumt hat. Das soziale Engagement der Regierung geht aber noch weiter, den als nächstes soll das Renteneintrittsalter gesenkt werden, was der Partei in Zukunft noch bessere Umfragewerte garantiert, im besten Fall sogar gewinnen sie die Wahlen 2019 und bescheren Polen somit 4 weitere Jahre bizarrer PiS Herrschaft, und ja, die Chancen dafür stehen gut, den bei sozialen Fragen und Themen ist die Partei um Jaroslaw Kaczynski weiterhin konkurrenzlos und damit der Opposition Meilen voraus.