Über die Alten

Die Alten haben diese Stadt fest im Griff. Sie haben das Sagen. Hier sind sie in der Mehrheit. Vieles passt sich ihnen an. Gelungen ist es die Jungen zu vertreiben und somit der Stadt den Stempel der Alten aufzuzwingen. Die bequemen Übergebliebenen haben sich nie gegen diese Übermacht gestellt. Wozu auch? Sie waren zugegeben nie eine ernsthafte Gefahr, geschweige den eine stabile Opposition. Stattdessen wählten Sie den anderen Weg, den der Anpassung, sie setzten die Rebellion einfach aus.  Die Tragik daraus ist ein Dilemma welches wie ein Schleier kaiserlicher Ordnung über der Stadt liegt, selbst die Zeit fügt sich dem anspruchslos. Tatsächlich, die Alten haben es geschafft die Zeit auszutricksen.   Sie haben sich ein Freiraum Gehege gebaut und zu ihrem Sitz ernannt. Hier, in ihrem eigenen Universum sind sie die Könige.

Sie hören alles, sie sehen alles, sie sind über belangloses bestens informiert. Ihre Armee – die Handwerker – durchziehen flink mit ihren Firmenwagen das gesamte Stadtnetz. Wie losgelassene Arbeitsbienen durchziehen sie die gesamte Stadt und heben alles aus den Angeln was zu richten ist. Sie dienen damit die Umgebung den Normen anzugleichen. Sie halten die Fassade aufrecht, rasen von A nach B und vielmehr gleichen sie kleinen Rettungswägen, die die fast tote Stadt überall wiederbeleben müssen.  

 Die gute friesische Meeresluft zieht die Alten an, wie das Licht die Motten. Die Filialen der Bäcker Firmen haben das längst begriffen, ihre zahlreichen Zweigstellen, mittlerweile zu angesagten Hot Spots mutiert, verschönern das Stadtbild und geben jeder Straßenecke das Image einer belebten Einkaufsstraße wieder.

Bäckereien sind für die Alten so was wie Tankstellen an denen sie ihre Rollatoren und Lebensenergie aufladen können, nebenbei trifft man die, die man schon gestern getroffen hat, hält ein Schwätzchen, trinkt literweise Kaffee und schimpft und lacht gleichzeitig. Oft sitzen sie Stunden gemeinsam an einem Tisch und harren weise die Zeit aus ohne je ein Wort mit ihrem gegenüber gewechselt zu haben. Ich weiß es, ich beobachte es.

 

Ebenso wie die Bäcker sind es die Apotheken die den Wandel der Zeit in WHV mitbekommen haben. Ihre Filialen, ebenso zahlreich über der Stadt verteilt wie griechische Restaurants,  werden gut besucht. Verständlich, es lohnt sich.  Der Alte läuft nicht gerne weit bis zu seinem Ziel, den einen langen Weg hat er sich nicht verdient. Er möchte das genießen, was ihm versprochen wurde, wofür er eingezahlt hat, doch seine Psyche, sein Körper, sie sind oft nicht bereit dem nachzukommen was ihm versprochen wurde, da sie doch selber Tribut einfordern für damals, na für die verbrauchten Lebensjahre davor. Verständlich.

Die letzten Tage sollen so verbracht werden, wie es die Bilder im Kopf einem schon immer eingeprägt haben, und bloß nicht wie es die Angst einem schon immer eingeprügelt hat, dass man nämlich in Armut seine letzten Edenjahre verbringt. Angst ist ein ständiger Begleiter besonders der Alten. Angst hatte Chance zu wachsen, den das was verfestigt wurde, begann mit der Angst. Ablegen können sie es nicht mehr. Sich damit zu arrangieren kostet Kraft.

Einen inneren Konflikt vermeiden sie lieber, den das Löschen hat schon Kraft gekostet, wie soll man das dann mit dem Schutt abräumen erst schaffen.

Ein Kreislauf der geistigen Müdigkeit.  Und immer zu einer gewissen Stunde verlässt keiner mehr das Haus. Die sogenannte selbst verhängte Ausgangssperre zeigt ihre Wirkung. Jeder hält sich daran. Auch die Handwerker.  Die Alten kommen damit durch, den es fehlen die richtigen Hände um sich die Nacht zu greifen.