Wir haben verlernt zu weinen

Krakau war geschmückt. 180 Nationen unterwegs in den Strassen der Stadt. Zum diesjährigen Weltjugendtag kam er nach Polen – Papst Franziskus, und er brachte eine glasklare Botschaft mit: überwindet eure Vorurteile, schottet euch nicht ab, übt Barmherzigkeit selbst dann, wenn man euch nicht mit Barmherzigkeit begegnet. 

 

Die Herzen der jungen Generation erobert.

Man könnte meinen der Besuch sei ein Heimspiel für ihn, doch dem war nicht ganz so. Ein Spannungsbogen überschattete seine Reise an die Weichsel. Seine unkonventionelle Art passt nicht jedem. Vorab kritisierte Franziskus die Politik der Warschauer Regierung keine muslimischen Flüchtlinge ins Land zu lassen. Mehrfach forderte Franziskus die Nationalkonservativen indirekt auf die Flüchtlingspolitik zu ändern. Die meisten Polen lehnen die Aufnahme muslimischer Flüchtlinge ab. 

“Die Frage der Migration verlange von uns Klugheit und Barmherzigkeit damit wir Ängste überwinden und das höchste Gut verwirklichen.”

Das brachte dem Pontifex viel Respekt, aber auch stille Kritik. Manchen Polen ist er einfach nicht Päpstlich genug. Erzkonservativen ist er zu liberal, zu direkt, zu unmittelbar. Viele, vor allem junge Herzen im Lande hat er dennoch erobert, mit seiner Art, seiner Besonnenheit, seiner Gelassenheit. Die Akzente die er setzt werden wahrgenommen. Seiner eigenen Kirche hält Franziskus oft den Spiegel vor.   

Hautnah bei den Menschen – der Papst in der Tram

Keine Abschottung, keine Ausgrenzung. Die jungen Menschen verstehen seine Botschaft.  Die Doktrin der Barmherzigkeit wirkt nicht aufgesetzt. 

“Wir Erwachsenen brauchen euch. Ihr müsst uns beibringen wie man in Verschiedenheit zusammenlebt, so wie ihr es in diesen Tagen macht. Wie sich Menschen aus unterschiedlichen Kulturen begegnen, sich einander mitteilen und dies nicht als Bedrohung sondern als Chance erfahren.”

“Aus Furcht oder aus Bequemlichkeit sich abzugrenzen, komme für die Kirche nicht in Frage. Jeder, der sich entschieden habe Barmherzigkeit zu leben sollte folglich keine Zeit damit vergeuden eine sichere und gut bezahlte Zukunft zu planen, damit er nicht in die Gefahr der Abschottung gerate.”

Die Vielfalt der Kulturen als Chance begreifen.

Die Vielfalt der Kulturen als Chance zu begreifen sei wichtig, ebenso sei es von grosser Bedeutung den Hass auf der Welt mit Brüderlichkeit zu begegnenen, dies sei die richtige Antwort auf Terror. 

“Liebe junge Freunde, wir sind nicht auf die Welt gekommen, um zu vegetieren, um es uns bequem zu machen, um aus dem Leben ein Sofa zu machen, das uns einschläfert”.

Die Kernbotschaft wiederholte Franziskus immer und immer wieder, egal wo er hinkam. Es sei schließlich eine Kernaufgabe der Christen Hilfesuchenden die Hand zu reichen, Flüchtenden zu helfen, dies sei wahre Barmherzigkeit. Ein Appell das Gehör fand.

Die Stille von Auschwitz

Das dritte Oberhaupt der katholischen Kirche besuchte auch das deutsche Vernichtungslager Auschwitz – Birkenau. Er setzte dem Besuch seinen eigenen Akzent. Es war ein schwerer Gang. Franziskus begegnete dem Ort mit Stille, mit Gebet und Reflexion. Eine zeichenhafte Haltung angesichts der unaussprechlichen Grausamkeiten die an diesem Ort verübt wurden.

Franziskus erinnert an die Menschen die heute inhaftiert und gefoltert werden. Immer wieder bittet er die Teilnehmer des Weltjugendtags für die Opfer von Terror und Gewalt zu beten. Es sind die stillen Momente während der Gottesdienste, die die Jugendlichen ergreifen und die neben der Lebendigkeit der Feiern stehen.