Lapidarium

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Zuckerberg bekommt einen Axel-Springer-Award (What…?). Und mir wird ein Foto vorgelegt, auf dem die Gesichter des sitzenden Publikums, komplett bedeckt von einer weissen fetten Brille, ähnlich einer Taucherbrille, wie im Kollektiv in sich gekehrt mit offenem Mund, in diese Röhre (Virtual-Reality-Brille) starren, völlig entzückt ein Teil vom Grossen zu sein. Zuckerberg, ganz klassisch auf dem Weg zur Bühne, hat wie immer sein unverblümtes naives lächeln auf dem Gesicht, ich persönlich kenne kein anderen Gesichtsausdruck von ihm. Es sind Bilder wie diese, die mich kurz inne halten lassen, mir unerwartet Orwell’s 1984 in den Sinn kommen lassen, jedoch, nach wenigen abschweifenden Sekunden,  geht auch diese Starre bei mir vorüber, jetzt wisst ihr was euch erwartet denke ich mir und klicke weiter zum nächsten Thema.

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Kaum zu fassen, ich lerne auch in dieser Stadt Menschen kennen, die hierhin gezogen sind. Was ist los mit ihnen? Nichts, antworten Sie mir. Wir wollten nur mal was anderes sehen. Wie schrieb Stefanie Sargnagel: “Künstlertypen sind nicht gemacht für ein liberales befreites Kreativghetto, sie brauchen konservative strenge, um sich nicht zu sehr entfalten zu können.”

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Ein Wasserkocher und eine Dose voller Kaffee haben seit 4 Tagen mein Leben revolutioniert. Jeden Tag, freiwillig, mit grosser Vorfreude auf einen Becher Kaffee (nach türkischer Art) stehe ich bereits um 5 Uhr früh auf den Beinen, und wenig später sitzend vor dem Rechner. Ich schreibe, lese, staune, spekuliere. Nach 3 Stunden ist das Spektakel beendet, ich lege mich wieder zufrieden ins Bett.

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Die Bienen machen nicht mehr mit. Sie sterben. Seit Jahren. Die UNO legte ein Bericht zu diesem Thema offen. Die Gründe für das Sterben? Ziemlich vielfältig: Pflanzenschutzmittel, Monokulturen in der Landwirtschaft, Wachstum von Städten sowie der Klimawandel. Noch Zweifel? Machen wir uns nichts vor es läuft was aus dem Ruder. Und wären diese Insekten nicht so von ungemeiner Bedeutung, wäre es nicht zu unserem persönlichen Anliegen geworden sich damit auseinander zu setzten.

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Mein Kandidat zum US Präsidenten, der Demokrat Bernie Sanders, hat es nicht geschafft. Enough is enough (sein Slogan) hat es nicht geschafft. Die US Wähler haben anders entschieden Ein Sozialist im Weißen Haus? Für viele dann doch zu viel und Bernie vielleicht doch zu sonderbar für den Job. An die Arbeiterklasse hat er sich gerichtet, an die Mittelschicht, die Hillary aufgrund ihrer Nähe zu den Mächtigen nie erreichen konnte. Eine kostenlose Hochschulbildung wollte Sanders einführen, das Establishment herausfordern, eine flächendeckende Gesundheitsversorgung einleiten… das ging dann doch manchen Wählern zu weit. Dem politischen Mainstream jedenfalls, wie andere Kandidaten, ist Sanders nicht verfallen, er fährt noch immer mit der U-Bahn nach Hause, besitzt kein Parteibuch, und isst sein Dinner wie jeder normale Mensch in der grundsoliden Cafeteria fernab des politischen Glamours. Das hat ihn für mich so sympathisch gemacht, er blieb Volksnah vom Herzen, eben ein Sonderling Widerwillen.

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Wenn ich Rapper wäre, so wäre mein Künstlername Multimorbid.

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Ich gehe los zu Arbeit viel früher als man es von mir erwartet. Auf meinem Weg passiere ich die St. Marien Kirche. Ich halte an, stelle den Kaffeebecher auf den Boden, öffne die schwere Holztür und trete ein. Ein kleines Foyer erwartet mich, dunkel ist es, hinten in der Ecke ist ein kleiner Altar aufgebaut: eine Bank, ein Kerzenständer, und davor an der Wand ein Bild der Jungfrau Maria samt Kindlein, daneben an der Wand hängt ein grosses massives Holzkreuz auf dem Jesus leidet. Die Tür zum grossen Hauptsaal wo die Sonntags Messen abgehalten werden ist abgeschlossen. Ich kenne diese Kirche. Hier habe ich vor Jahren die Erstkommunion erhalten. Sie ist an mir spurlos vorbeigezogen. Ich habe keine Erinnerungen daran. Erbarmungswürdig knie ich mich zum Bild, schaue nach oben, versuche irgendetwas rauszubekommen, stammle vor mich hin, von wegen, dass ich verlegen bin und nichts vernünftiges aus mir heraus bekomme, aber edel wie ich bin, habe ich die Zeit gefunden kurz vorbei zu kommen, um nicht etwas für mich sondern für andere zu verlangen, wie schön, wie edel, ich kriege das kotzen, du Egoist denke ich mir, ich bin doch gekommen um etwas für meine Liebsten zu verlangen, für Menschen, die mir etwas bedeuten. Egal. Geistig entblösse ich mich vor dem Bild, kann meine Gedanken nicht mehr sortieren. Nein, denke ich mir, ihnen kannst du nichts vormachen, sie kennen deinen wahren Grund weswegen du hier bist. Ich schliesse die Augen. Nach wenigen Minuten trete ich befriedigt hinaus. Ich bin zufrieden. Der Kaffeebecher ist noch immer warm als ich ihn wieder aufhebe.

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Buddha fragt seine Jünger wie lange den ein menschliches Leben dauere? 50 Jahre. 80 Jahre. 100 Jahre. Ein anderer meint, einen Tag und eine Nacht lang. Ein anderer wiederum meint: einen Atem lang. Oh ja, sagt Buddha, du hast es verstanden.

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Mein allerschönster Traum: aufzuwachen und nicht zu hören wie es gegen die Fenster prasselt, dem sehne ich entgegen. Ich schaue täglich aus dem Fenster wie Häftlinge aus ihrer Zelle, hoffe, dass es mal nicht regnet, und falls dem so ist nutze ich das Zeitfenster, dann ist der Ausgang nach draussen gestattet, eine Chance die man ergreifen sollte, jedoch entferne dich nicht allzuweit sonst wirst du kalt überrascht, nass getroffen, die Ausgangssperre wird dich holen und du kannst ihr nicht entkommen. Sei also stets wachsam, beobachte den Himmel, lerne ihn zu nutzen, wie Bauer bei der Bewirtschaftung ihrer Felder, und sei ihm immer, immer einen Schritt voraus, und mit der Zeit wirst du es lernen. Pfff…

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